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Veranstaltung

NETTZ goes Wissenschaft

Forschende und Aktivist*innen in Austausch zu bringen, halten wir für essentiell. Die Jahrestagung der DGPuK (Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft) beschäftigte sich unter anderem mit der Diskussionskultur im Internet, Extremismus und Hassrede. Am 11.05. fand die Trialog-Keynote “Hate Speech und was man dagegen tun kann” statt. Prof. Dr. Konstanze Marx brachte sprachwissenschaftliche, Diana Rieger kommunikationswissenschaftliche Ansätze bei der Analyse von Hate Speech ein und wir stellten eine Auswahl zivilgesellschaftlicher Perspektiven dar.

Die linguistische Analyse von Prof. Konstanze Marx beobachtet die Ebenen: Oberflächenphänomen, Semantik, Sprachliche Handlung und interaktionale Ebene. Manche Äußerungen, die Aktivist*innen und Opfer als Hate Speech kategorisieren, sind aus linguistischer Sicht erstmal keine. Hate Speech ist auf der “sprachlichen Oberfläche” nicht immer sichtbar. Dennoch ist Hate Speech auch eine “Ethnokategorie” und somit als solche von persönlichen Beleidigungen nicht zu unterscheiden. Das heißt, die Sprachwissenschaft interessiert sich sehr wohl für das Phänomen und wie bestimmte Äußerungen von Betroffenen empfunden werden. Der Kontext ist in der Beurteilung immer entscheidend.

Diana Rieger ging auf die Motivation von Hater*innen ein und nannte: Ausgrenzung von anderen, Einschüchterung, Dominanz und Deutungshoheit sowie Spaß und Nervenkitzel. Elemente von Hate Speech aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive sind:  

  • Bewusste Verbreitung falscher Aussagen

  • Tarnung durch Humor oder Ironie

  • Befürwortung von oder Aufruf zu Gewalttaten

  • Herabwürdigende und verunglimpfende Begriffe

  • Sexistische oder rassistische Beleidigungen

  • Bedienung von Vorurteilen durch bestimmte Begriffe und Sprachmuster

  • Verallgemeinerungen

  • “Wir versus Die” Rhetorik

  • Verschwörungstheorien

  • Befürwortung oder Androhung sexualisierter Gewalt

Hate Speech kann gefährliche Auswirkungen auf die Betroffenen und gesellschaftliche Debatten haben, aber eventuell verbirgt sich in der ganzen Energie auch Potential, das noch nicht genutzt wird?

Wir brachten zivilgesellschaftliche Ansätze in den Vortrag ein und stellen eine kleine Auswahl der vielen wunderbaren Projekte und Initiativen in Deutschland vor. In der Diskussion wurde deutlich, dass es noch viele Fragen gibt, die tiefer wissenschaftlich untersucht werden sollten, u.a.:

  • die Definition von Hate Speech und Abgrenzung zu anderen Phänomenen

  • Quantifizierung: Über wieviel Prozent problematisches Kommunikationsverhalten reden wir wirklich? Werden viele Debatten immer polarisierter oder ist das eine selektive Wahrnehmung derjenigen, die sich intensiv damit beschäftigen?  

  • Wirksamkeit von Gegenrede: Hier gibt es bereits interessante Studien, die aber nicht alle verallgemeinert werden können.

  • Auswirkungen von toxischen Narrativen auf mitlesende Dritte

  • Wie können wir die “schweigende Mehrheit” motivieren sich ebenfalls zu engagieren?

  • Wirkungen auf Debatten, wenn sich nur eine Minderheit einmischt?

Der Austausch zwischen Aktivist*innen und Forschenden ist vielversprechend. Liebe Forschende, bitte forscht fleißig weiter und lasst uns an Euren Ergebnissen teilhaben. Schickt uns gerne die aus Eurer Sicht relevantesten Publikationen und wir verlinken sie und geben das Wissen gerne weiter.

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