Forschung

Neuer Trendreport: Wie sich die demokratiefeindliche Szene finanziert

Cover der neuen Ausgabe des Trendreports. Mittig wird der Titel angezeigt »Business as Unusual - Das Management der digitalen Empörung«. Im Hintergrund sind verschiedene Balken in orangener Farbe zu sehen.
Trendreport Machine Against the Rage © BAG »Gegen Hass im Netz«

Die BAG »Gegen Hass im Netz« – ein Projekt von Das NETTZ –  hat eine neue Ausgabe von Machine Against the Rage veröffentlicht: Die Analyse gibt einen Überblick, wie sich die Szene zwischen Rechtsextremismus und Verschwörungsideologie auf digitalen Plattformen finanziert — und welche Akteure wann und wie viel Kryptogeld eingenommen haben. Außerdem werden die Mechanismen hinter der Kampagne #Stolzmonat erklärt, mit der Rechtsextreme versuchten zum Pride Month nationalistische Akzente zu setzen.

»Mit aufrührerischen Inhalten und Desinformation lässt sich über digitale Kanäle inzwischen gutes Geld verdienen. Immer mehr Influencer*innen können sich so finanzieren – einige haben allein mit Bitcoins in zweieinhalb Jahren über 60.000 Euro eingenommen«, sagt Harald Sick von der BAG »Gegen Hass im Netz«. »Überweisungen auf Krypto-Konten sind dabei nur eine von vielen Möglichkeiten, wie Rechtsextreme und Verschörungsideolog*innen Aufruhr und Hass zu einer Finanzierungsstrategie machen«, so Sick weiter.

Floss früher viel Geld im Verborgenen, lässt sich das heute im digitalen Raum nachvollziehen. Das zeigt die neue Analyse von Telegram-Nachrichten, in der ein Überblick der Finanzierungswege gegeben wird und erstmalig nachgewiesen wird, welche Akteure der demokratiefeindlichen Szene wann und wie viel Kryptogeld eingenommen haben.

Ein Blick in die Krypto-Wallets von Querdenker Michael Ballweg und die Verschwörungsideologen Ken Jebsen und Heiko Schrang

In den 133 über Telegram zuordenbaren Krypto-Wallets konnten 2800 Transaktionen mit einem Wert von umgerechnet 759.000 Euro seit 2017 zurückverfolgt werden. Wir konnten Personen wie den Querdenker Michael Ballweg und die Verschwörungsideologen Ken Jebsen und Heiko Schrang mit den Wallets verknüpfen. Große externe Geldgeber*innen der Szene konnten wir in den Krypto-Konten nicht finden, vielmehr wird dieser Monetarisierungsweg für Mikro-Spenden genutzt, mit denen sich die Szene selbst finanziert.

Krypto-Konten stellen nur einen von vielen Finanzierungswegen dar. Um einen Überblick zu bekommen, wurde der komplette Datensatz aus dem hauseigenen Langzeit-Monitoring durchsucht. »In unserer Analyse sind wir seit April 2020 auf rund 265.000 Telegram-Nachrichten mit Verlinkungen zu Finanzierungsquellen gestoßen, mit denen rechte und verschwörungsideologische Akteure versuchen, Geld zu generieren. Besonders häufig finden wir Verweise zum Kopp-Verlag und Amazon, Spendenaufrufe für Überweisungen via Bankverbindung oder auf Paypal-Konten und Videoplattformen wie YouTube«, fasst Dr. Pablo Jost von der Universität Mainz eines der Ergebnisse zusammen. Jost arbeitet eng mit der BAG »Gegen Hass im Netz« zusammen und ist Mitautor der Analyse.

»Der Messenger-Dienst Telegram ist nicht ohne Grund eine wichtige Plattform für die Szene«, erklärt Kommunikationswissenschaftler Jost. »Hass-Inhalte werden nicht moderiert, die direkte Ansprache und parasozialen Beziehungen zwischen Kanal-Betreibenden und Abonnent*innen ermöglichen es, viele Menschen effektiv um finanzielle Unterstützung zu bitten«, so Jost weiter.

Rechtsextreme Kampagne #Stolzmonat trotz Twitter-Trend mit begrenztem Erfolg

Außerdem widmet sich die dritte Ausgabe des Trendreports Machine Against the Rage dem Hashtag #Stolzmonat, der im Juni auf Twitter für fünf Tage an der Spitze der Twitter-Trends stand. Zum Pride Month wurde unter dem Hashtag für Nationalismus geworben und die Anti-Diskriminierungspolitik der Bundesregierung scharf angegriffen. »Unsere datenbasierte Analyse von fast 900.000 Tweets zeigt den hohen Grad der Koordination hinter dieser Kampagne. Die enorme Reichweite auf Twitter war durch die Kooperation zwischen rechtsextremen Influencern und AfD-Kanälen möglich«, sagt Maik Fielitz über die Ergebnisse. »Durch manipulative Mittel wie den Einsatz von Fake-Accounts sollte der Eindruck entstehen, dass eine Graswurzelbewegung entsteht. Die fehlende Resonanz in den Medien und auf der politischen Gegenseite, die in solchen Kampagnen bereits mitgedacht wird, blieb allerdings aus – und die Kampagne trotz Twitter-Trend mit sehr begrenztem Erfolg«, so Konfliktforscher Fielitz weiter.

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Über die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) »Gegen Hass im Netz«

Die BAG ist ein Projekt von DAS NETTZ – VERNETZUNGSSTELLE GEGEN HATE SPEECH und wird im Rahmen des BUNDESPROGRAMMS »DEMOKRATIE LEBEN!« vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der ROBERT BOSCH STIFTUNG gefördert. Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMFSFJ, des BAFzA oder anderer Förderpartner*innen dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autor*innen die Verantwortung.

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