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Portrait

Podcast "Kanackische Welle"- Geschichten aus dem Einwanderungsland Deutschland

Malcolm und Marcel, Kanackische Welle
© Nelson Ndongala

Die Journalisten Marcel Aburakia und Malcolm Ohanwe sprechen in ihrem Podcast Kanackische Welle über Identität im Einwanderungsland Deutschland. Zwei mal im Monat werden zu Themen wie Rassismus, Gender und Popkultur interessante Gäste eingeladen und diese unterhaltsam aus post-migrantischer Sicht diskutiert.

Die Fragen stellten Antonia und Hanna.

Seit zwei Jahren gibt es euren Podcast. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Zeit für eine Rückschau: Wie habt ihr euch kennengelernt und wie ist die Idee für den Podcast entstanden?

2017 haben wir zeitgleich beim bayerischen Rundfunk in München gearbeitet, ohne voneinander zu wissen. Erst als Malcolm Marcel’s Online Artikel: „Mein Kopf sieht aus wie ein Deo-Roller“ gelesen hat, war er überrascht, dass es andere Mitarbeiter mit arabischen Namen dort gab und hat direkt auf Twitter Kontakt hergestellt. Ab dem Moment ging’s eigentlich recht fix. Selber Humor, ähnlicher Background und ganz viel Unzufriedenheit. Wir hatten da aber schon gemerkt, die langen Gespräche sind viel zu gut und spannend, um das zwischen uns beiden zu behalten und haben dann entschieden, über einen Podcast mehr Leute zu erreichen.

Was sind eure Hauptanliegen bei diesem Projekt, was sind eure Ziele?

Wir wollen junge Menschen, bildungsferne Menschen und vor allem von Rassismus betroffene Menschen für spaßige aber auch informierende journalistische Inhalte begeistern.

Leute abzuholen, die nicht sowieso schon innerhalb einer antirassistischen Bubble leben, ist eine große Aufgabe vieler engagierter Menschen. Was ist eure Strategie, um diesem Ziel näher zu kommen?

Das geht über viele Wege. Wir suchen uns oft eben Gäste oder Gesprächspartner*innen, die nicht aktivistisch unterwegs sind oder sich hauptberuflich mit Diversity beschäftigen. Wir erklären weniger große Theorien, sondern konkrete Geschichten und lernen anhand dieser, welche diskriminierenden Dynamiken es gibt. Da kommen viele persönliche lustige Details und eigene Storys aus unserem Leben zur Geltung. Wir öffnen uns sehr viel als Privatmenschen und nicht nur als “Experten”.Wir wollen so reden, wie wenn wir es der guten Bekannten oder dem Kumpel erzählen und nicht wie in einer Vorlesung. Wir integrieren sehr viele Sprachnachrichten unserer Hörer*innen.

Dieses Jahr habt ihr gemeinsam einige Preise abgeräumt. Welchen wollt ihr noch haben? 

Wir sind super happy und dankbar, dass wir den Smart Hero Award für Demokratisches Gestalten, den Medienpreis Urologie als bester journalistischer Inhalt zu Männergesundheit und auch noch ganz unerwartet den Isarnetz Creator Award mitgenommen haben als bester Lifestyle-Content aus München. Wir haben viele Ziele und würden uns freuen auch einen Grimme Online Award, den deutschen Podcast-Preis und vielleicht noch nen Pulitzer zu gewinnen. Wir wünschen Marcel auf jeden Fall ins Medium Magazin und Malcolm sollte doch bald den Kurt-Magnus-Preis mitnehmen!

Malcolm und Marcel: Kanackische Welle
© Nelson Ndongala

Ihr habt schon über 30 Folgen miteinander produziert. Was sind eure persönlichen Lieblingsfolgen und wodurch lasst ihr euch für neue Themen inspirieren?

Gerade ist unsere 34. Folge rausgekommen in der es um die sogenannte Cancel Culture geht und das Boykottieren von Leuten. Eine Highlight-Folge war auf jeden Fall die darüber, was Namen mit uns machen, und wie sie einen in ein rassistisches System einordnen - live auf der Bühne des Kosmonaut-Festivals in Chemnitz. Es ist nämlich so, dass einige Leute, die Namen haben wie Murat, Mehmet, oder Ercan, sich - um besser anzukommen - im Club Namen geben wie Antonio, Ramón oder Santos. Sie haben das Gefühl, dass sie dann weniger diskriminiert werden und besser ankommen beim Dating. Andere haben zwei Vornamen, einen “deutschen” und einen “ausländischen”, wie Marcel Nadim und benutzen die jeweiligen Namen für andere Freundeskreise. Das haben wir analysiert. Uns inspiriert das Leben, Gespräch mit Freund*innen und Verwandten und Malcolm ist allgemein einfach ein kreativer Kopf, der immer irgendwelche Theorien zu Identität, Rassismus und Gender hat und ein Nerd für Pop-Kultur ist, während Marcel in der Sport-Welt super vernetzt ist und alles immer mit Humor und Feingespür perfektioniert.

Was hat Euch bei der Umsetzung des Podcasts besonders geholfen? Welche Learnings könnt ihr weitergeben?

Wir sind beide gelernte Journalisten. Malcolm hat ein Volontariat beim bayerischen Rundfunk absolviert und Marcel Journalistik studiert und beginnt jetzt zusätzlich noch ein Volontariat bei der Deutschen Welle. D.h. wir wissen, wie Storytelling funktioniert, haben gelernt die richtigen Fragen zu stellen und sind ganz nah an den Themen, die Menschen bewegen, dran. Das wäre aber immer noch recht öde, wenn wir nicht viel persönlichen Flair, unsere Sprache und Geschichten mit einflechten würden. Deshalb empfehlen wir Mut zu Personality. Das setzt einen am Ende von anderen ähnlichen Formaten ab.

Was hat die Bewegung #BlackLivesMatter für euch geändert?

Tatsächlich viel mehr Hörer*innen und Follower*innen.

Dass George Floyd in den Händen von Polizisten starb und dabei gefilmt wurde hat wahnsinnig viele Menschen emotionalisiert und sensibilisiert für das Thema. Die Arbeit, die wir schon über ein Jahr davor gemacht hatten, erhielt plötzlich noch viel mehr Aufmerksamkeit als davor.
Malcolm und Marcel
Journalisten

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Autor*in

Das NETTZ

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