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Portrait

Portrait der Gegenrede-Kampagne „Don’t be silent“

Die design akademie Berlin hat die wunderbare Gegenrede-Kampagne “Don’t be silent” ins Leben gerufen und seitdem ist viel passiert. Unter anderem haben sie den ersten Platz des Peer-to-Peer Facebook Global Digital Challenge belegt. Wir sind neugierig und wollen mehr darüber erfahren. Wir trafen Prof. Dr. Katrin Androschin gemeinsam mit zwei Studierenden, die die Kampagne mit entwickelt haben und bei der Preisverleihung in Washington D.C. dabei waren.

Wie ist es zur Initiative „Don´t be silent“ gekommen? 
Auslöser und Impuls dafür, die Kampagne umzusetzen war ein internationaler Wettbewerb: Die Peer-to-Peer Facebook Global Digital Challenge, die von Facebook gesponsert wird. Dieser sich ein- bis zweimal jährlich wiederholende Wettbewerb für Hochschulen und NGOs startete im Frühjahr 2015 als Initiative des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses. Die Idee besteht darin, dass diejenigen Gegenkonzepte gegen Hassrede in den Sozialen Medien entwickeln, die selbst davon betroffen sind, wie zum Beispiel Studierende (deshalb „Peer-to-Peer“). Prof. Katrin Androschin fand den Wettbewerb relevant und wichtig, und beschloss daher, diesen Wettbewerb, der im Herbst 2017 stattfand, in den Unterricht für Masterstudierende der Studiengänge Strategic Design und Marketingkommunikation zu integrieren.

Was ist die Botschaft Eurer Kampagne?
Don’t be silent, sei nicht still, sei nicht sprachlos gegen Hassrede im Internet. Auch eine kleine Tat kann schon viel bewirken. "Sei die Stimme gegen Hass."

An wen richtet Ihr Euch mit dieser Botschaft?
Zielgruppe ist die „große schweigende Mehrheit“, die einerseits Hate Speech gar nicht sieht bzw. nicht weiß, wie sie auf diese reagieren soll. Und gerade diese große Gruppe soll mit niederschwelligen Informationen versorgt werden, die einfach, auch humorvoll oder ironisch sind, emotional ansprechen, kleine Tipps geben, was jeder Einzelne gegen Hassrede tun kann.

Was wollt Ihr mit Eurer Kampagne bewirken?
Menschen sollen überhaupt erst einmal dafür sensibilisiert werden, dass man Hass nicht hinnehmen muss. Und wir wollen ihnen im zweiten Schritt eine niedrige Einstiegsschwelle bieten, etwas dagegen zu tun.

Was sind generell Erfolgsfaktoren wirkungsvoller Kampagnen?
Eine klare Strategie mit definierten Zielgruppen und zugespitzten Botschaften. Emotional ansprechende und primär visuelle Social-Media-Inhalte, die mit Bild, Film, Musik, aber auch mit konkreten Gegenrede-Tipps und Humor kommuniziert werden. Eine klare, prägnante und menschliche Emotionen ansprechende Marke. Ein konsistenter Auftritt, sprachlich wie auch visuell.

Was ist Eurer Meinung nach insbesondere bei Gegenrede-Kampagnen wichtig?
Eine Mischung von verschiedenen Anspracheformen. Zweifel säen durch Information, Emotion und das Darstellen von Counter-Narratives, wie z.B. dem Erzählen von Lebenserfahrungen von Geflüchteten. Wir nennen sie „Newcomers“ und zeigen in unseren Videos, wie sie auf Hassrede reagieren, was sie für Deutschland leisten, und welche Lebenserfahrung sie mitgeben können. Das ist persönlich, emotional und nicht abstrakt, das ist wichtig.

Kennt Ihr andere gute Gegenrede-Kampagnen oder Aktionen?
No Hate Speech Movement und Hass Hilft.

Euer Projekt ist Gewinner der The Peer to Peer: Facebook Global Digital Challenge. Wofür wurde die Kampagne ausgezeichnet?
Wir konnten die Jury mit einem alternativen Konzept überzeugen, um Hassreden in den sozialen Medien bereits im Keim zu ersticken, sie im Idealfall gar nicht erst aufkommen zu lassen. Um das zu erzielen, gibt es zwar viele Ansätze - dass wir aber gewonnen haben, hat vielleicht damit zu tun, dass unser Ansatz etwas anders war als der von vielen anderen. Indem wir nicht von der Politikwissenschaft, der Kriminologie oder Soziologie kommen, mit viel Hintergrundwissen und rationalen Informationen - sondern von einem Design getriebenen Ansatz herkommen, der stark auf emotionalen Botschaften basiert.

Warum ist es eurer Meinung nach wichtig, dass gerade die betroffenen sozialen Netzwerke aktiver gegen Hate Speech arbeiten?
Facebook hat eine sehr große Macht, sodass die Menschen unbewusst dessen Meinungshoheit akzeptieren. Das ist einer der Kanäle, in dem wir aktiv Zeichen setzen müssen, aber natürlich darüber hinaus, in anderen sozialen Netzwerken und auch in der realen Welt.

Hat die Initiative eure Denkweise über Hass im Netz oder auch das Internet insgesamt verändert?
Ja. Mehr Wissen macht kritikfähiger. Mehr Bewusstsein lässt besser reflektieren.

Wie geht es für Euch und “Don’t be silent” weiter?
Wir werden in jedem Fall weitermachen – denn groß ist der Zuspruch von allen Seiten, der uns bestärkt, dass das Thema, und unsere Konzeption, damit umzugehen wichtig und richtig sind. Wir werden nun an Ideen und Strategien arbeiten, wie wir weitermachen können, inhaltlich, finanziell und organisatorisch.

Könnt Ihr noch ein paar Worte zu Euch sagen? Wie groß ist Euer Team?
Das Team der Studierenden bestand aus 16 Masterstudierenden der Studiengänge Strategic Design und Marketingkommunikation, und sie kommen von 8 verschiedenen Ländern (+1 von der Professorin) von 4 Kontinenten. Die Studierenden haben vor ihrem Masterstudium in folgenden Bereichen studiert: Marketingkommunikation, Business Management, Film, Grafikdesign, Produktdesign, Fashion Management, 3D Interactive Animation, Music Production.

Herzlichen Dank für das Interview!

Das NETTZ führte das Interview mit Prof. Dr. Katrin Androschin.  

Autor*in

Barbara Djassi

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