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Portrait

Portrait Fakten gegen Rechts

Fakten gegen Rechts Wand
© Foto: Mensch Mensch Mensch e.V.

Die Initiative Mensch Mensch Mensch e.V. gibt mit dem Projekt Fakten gegen Rechts auf humorvolle und ansprechend gestaltete Weise Argumente an die Hand, die rechtspopulistische Äußerungen entkräften.
Beim Community-Event im Oktober 2018 entschieden die Teilnehmenden, dass das Projekt den Zuschlag zum Preisgeld des Förderwettbewerbs erhält.

Das Interview führte Barbara Djassi 
 

Ihr habt im letzten Jahr den Förderwettbewerb mit der Idee gewonnen, Fakten gegen Rechts über Messenger überall und sofort verfügbar zu machen. Es soll möglich sein, sowohl Fakten zu empfangen als auch, Fakten zu liefern. Wie wird das funktionieren?
Wir haben uns riesig über den Preis gefreut. Auch wenn die Umsetzung des Projektes immer eine Herausforderung bleiben wird, hat das sehr geholfen. Wir programmieren gerade einen Chatbot, der entlang bestimmter Schlagworte wie z.B. Flucht, Gleichstellung oder Arbeitslosigkeit Fakten liefert. Diese Fakten sollen Behauptungen, die häufig von Populist*innen oder Nationalist*innen vorgebracht werden, widerlegen. Allerdings nicht mit langen trockenen Texten, sondern kurz und knapp, mit einer ansprechenden Illustration und dem Verweis auf die Quelle, falls jemand mehr wissen möchte.

An wen richtet sich das Angebot?
Zielgruppen gibt es dafür mehrere. Wir wissen von Menschen, die unsere Seite nutzen, um sich zu informieren. Das können sie dann auch und schneller über den Bot tun. Dann gibt es Menschen, die am Stammtisch, in der Fussballclique oder von Kolleg*innen am Arbeitsplatz immer mal wieder Behauptungen hören, die sie gerne gegenchecken würden. Zum Beispiel: “Seit die Flüchtlinge kommen, sind wir hier nicht mehr sicher”. Auch hier hilft unser Bot, schnell und unkompliziert. “Die Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland lag im Jahr 2017 so niedrig, wie seit 1992 nicht mehr“ würde er dann sagen. Und dann sind da noch die Menschen, die ganz bewusst Falschinformationen, vor allem im Netz, widersprechen wollen. Auch sie können sich auf unserer Seite und bald auch mit unserem Bot Unterstützung holen um faktengestützt argumentieren zu können. 

Die Nutzer*innen werden Themen setzen. Zusätzlich und vor allem anfangs werdet ihr selbst Themen generieren. Woran haltet ihr euch dabei?
Wir haben auf unserer Webseite ja schon Schwerpunktthemen gesetzt. Dabei haben wir uns an den Themen orientiert, die von Populist*innen und Nationalist*innen in Diskussionen immer wieder vorgebracht werden – mit falschen Behauptungen und Zuspitzungen. Die gängigsten sind sicher Asyl und Flucht, Kriminalität oder Extremismus. Aber auch zu Klimawandel, Gleichberechtigung oder Europa haben wir schon Informationen gesammelt. 
 

Werkstatt

Bekommt ihr Reaktionen, ob euer Angebot Menschen geholfen hat, sich in Gesprächen besser zu schlagen?
Ja. Gerade bei Facebook haben sich viele Menschen gemeldet, uns für unsere Arbeit gedankt und manchmal sogar selbst Fakten eingeschickt. Solche Berichte und Nachrichten freuen uns immer sehr. 
 

Sicher wird euch manchmal die Frage gestellt, warum ihr euch Fakten gegen Rechts und nicht z.B. Fakten gegen Extremisten nennt? Ist die Idee übertragbar?
Um den Namen gibt es immer wieder Diskussionen. Unser Ziel ist eine Versachlichung der politischen Debatte. Man kann unsere Fakten ja genauso gegen linke oder extremistische Behauptungen verwenden. Fakten sind Fakten. Allerdings hat in den letzten Jahren vor allem die Verdrehung von Fakten durch populistische und nationalistische Parteien, wie die AfD zugenommen. Und auch uns begegnete in sozialen Zusammenhängen immer wieder Polemik vor allem von rechts. Deswegen wollten wir mit dem Projekt auch hier ein klares Zeichen setzen. Bei “Fakten gegen Rechts” versteht jeder gleich, worum es geht. “Fakten für Deutschland” oder “Fakten für bessere Debatten” ist da leider weniger klar. 
 

Gerade in diesem Jahr wird es vermutlich viele neue Fakten zu widerlegen geben. Können wir uns darauf verlassen, dass ihr uns Argumente an die Hand gebt? Wie kann man euch dabei unterstützen?
Ja, wir erwarten gerade im Europawahlkampf und auch wegen der vielen Landtagswahlen im Herbst harte politische Auseinandersetzungen, die nicht immer ganz faktenbasiert geführt werden. Wir sind noch ein kleines Projekt. Deswegen werden wir unser Bestes geben, hier auf der Höhe der Debatte zu bleiben. Ob uns das gelingt, hängt aber stark von der Unterstützung Aller ab.
 

Über den Chatbot kann man uns bald Fakten einsenden, die wir dann in unserem bisherigen Stil zeitnah umsetzen und anderen Nutzenden zur Verfügung stellen wollen. Wichtig ist dabei aber, dass diese Fakten auch wirklich sauber belegt sind, also beispielsweise durch amtliche Statistiken, Zahlen der Vereinten Nationen oder ähnliches. Damit wir die Fakten verwenden können, brauchen wir auch immer die Informationen zu diesen Quellen, die wir nochmal selbst gegen checken.
Hannah Neumann
Mensch Mensch Mensch e.V.
Illustration

Neben der inhaltlichen Hilfestellung ist an eurem Angebot besonders, dass es so erfrischend fröhlich gestaltet ist. Wird das auf irgendeine Art im dem Bot erhalten bleiben?
Ja. Fakten sind nicht trockene, lange Zahlen- und Textkolonnen, sondern sie können auch etwas Schönes und überaus Hilfreiches sein. Das wollen wir im Bot erhalten. Neben dem Kurztext und der Quelleninformation wird der Bot also auch die Illustration einbinden – und manchmal auch einen FunFact einstreuen. 
 

Der Aufwand, die Argumente aktuell zu halten und auf Entwicklungen einzugehen, Ereignisse einzubeziehen, ist ziemlich hoch. Denkt ihr darüber nach, eine technische Lösung zu finden, die diese Prozesse auf mehr Beteiligungsmöglichkeiten ausrichten?
Der Aufwand ist hoch. Wir hoffen, dass es besser wird, wenn der Bot steht und viele Menschen uns Fakten zuliefern. Das ist die einfachste Form der Beteiligung. Wir freuen uns genauso über Menschen, die Lust haben, Fakten zu zeichnen. Dann koordinieren wir das Ganze. Da wir die Fakten immer selbst nochmal gegenchecken müssen, kann ein direktes Hochladen nicht möglich sein. Aber wir planen, wenn der Bot sauber läuft, nochmal eine Fundraising-Kampagne zu machen. Dann haben wir ein bißchen Unterstützung, um diese Koordinationsarbeit auch leisten zu können. 
 

Stimmt ihr euch mit anderen Akteur*innen, die sich ebenso um korrekte Fakten bemühen ab und versucht euch gegenseitig zu unterstützen?
Ja, das tun wir. Wir haben in der Anfangsphase häufig Argumentationshilfen von Initiativen gegen Rechts genutzt um zu schauen, was die wichtigsten Themen sind und welche Fakten es dazu gibt. Und wir stehen immer wieder im Austausch mit Projekten wie #ichbinhier, Kleiner Fünf oder auch dem Mediendienst Integration um neue Fakten zu bekommen, aber auch besser zu verstehen, wie wir unsere Fakten noch besser nutzbar machen können. Dieser Austausch ist enorm wichtig. 
 

Fakten online

Was wünscht ihr euch von der Politik im Umgang mit Hate Speech und gezielter Desinformation? 
Wir wünschen uns, dass Politik sich wieder stärker an Fakten orientiert. Und das nicht jede Statistik nach Belieben ausgelegt und uminterpretiert wird, um dem eigenen Weltbild zu entsprechen. Wenn sich zu viele Menschen in der Politik an gefühlten Wahrheiten orientieren, dann machen sie auch Politik für diese gefühlte Realität. Das hat dann aber leider oft wenig mit dem zu tun, was tatsächlich passiert und hilft deswegen auch wenig gegen die tatsächlichen Probleme. Außerdem wäre ein respektvollerer Umgang miteinander gut. Zwischen den verschiedenen Parteien, aber auch gegenüber Minderheiten. Die Sprache, die wir nutzen, beeinflusst auch unser Handeln. Da hat die Verrohung in den letzten Jahren stark zugenommen.
 

Es wäre schön, wenn die leisen und menschlichen Töne wieder mehr Gehör finden würden.  
Hannah Neumann
Mensch Mensch Mensch e.V.
Autor*in

NETTZ-Redaktion

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