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Portrait

Portrait #NichtEgal auf "Das NETTZ"

#NichtEgal ist eine Initiative mit YouTube für Toleranz und Respekt. #NichtEgal wirbt für einen respektvollen Meinungsaustausch auf verschiedenen Plattformen im Netz sowie im Alltag. Junge Menschen werden ermutigt, ihre Meinung zu teilen, die eigene Rolle im digitalen Raum zu reflektieren und eine Wertediskussion anzuregen. Die Digitalen Helden sind Partner der Initiative und führten in Zusammenarbeit mit weiteren medienpädagogischen Einrichtungen #NichtEgal Schülerworkshops in ganz Deutschland durch. Die Digitalen Helden sind bekannt durch ihr gemeinnütziges Mentorenprogramm, an dem sie an über 95 Schulen deutschlandweit tätig sind. Sie entwickeln außerdem Webinare und Barcamps für Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern zu digitalen Themen.

Was treibt euch an?

Die Digitalisierung bietet riesige Chancen, aber auch Herausforderungen. Unklare Rechtslagen, die Frage der Datensicherheit, Privatsphäre und z.B. Cybermobbing sind Herausforderungen denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Unser Ziel ist es, dass Schulen und Familien, digitale Kommunikation bewusst und kompetent nutzen können.

Auf welche Herausforderungen wollt Ihr mit Eurer Arbeit zum Thema Hate Speech reagieren?

Laut JIM Studie 2016 haben 19 Prozent der Jungen und Mädchen schon mal erlebt, dass falsche oder beleidigende Sachen per Handy oder im Internet über sie verbreitet wurden. Von Stress in Chat-Gruppen über das Verbreiten peinlicher Fotos bis hin zu sogenannten Hass-Internetseiten –  Cybermobbing und Hate Speech im Internet sind für Schüler*innen  Probleme, die große psycho-soziale Folgen für Einzelpersonen haben können. In den Workshops und in den #NichtEgal Materialien arbeiten wir die Unterschiede zwischen Cybermobbing und Hate Speech heraus und diskutieren den manchmal schmalen Grad zwischen Meinungsfreiheit und Hassrede im Netz und Chatgruppen. Mit unserer Arbeit wollen wir Schüler*innen und Lehrkräfte digitale Selbsthilfe ermöglichen. Unser kostenloser Online-Kurs „WhatsApp, meine Freunde und ich“ bietet für Schulklassen z.B. einen guten Weg hier selbstständig anzusetzen und den respektvollen Umgang in Klassenchats einzuüben.

In Euren Workshops bereitet Ihr Schüler*innen auf den Umgang mit Hate Speech vor. Inwieweit wappnet Ihr sie damit für die Situation, wenn ihnen Hassrede im Netz begegnet?

Wer verschiedene Strategien kennt, wie er mit Hassrede umgehen kann, kann selbstständig für sich entscheiden, was er oder sie in der Situation tun kann. So können Schüler*innen eigenverantwortlich handeln und entscheiden, ob sie zum Beispiel Inhalte melden oder “Counterspeech” betreiben wollen. Diese Strategien zu kennen, stärkt Jugendliche in ihrer Handlungskompetenz.

Ihr beschreibt, dass es beim Thema Hate Speech viel grundlegender um digitale Kompetenz geht. Was umfasst das?

Unser Ziel ist es, Jugendlichen beizubringen, Probleme im Netz frühzeitig zu erkennen, diese selbst zu lösen und sich kontinuierlich und kritisch mit Chancen und Risiken des Internets auseinanderzusetzen. Dafür braucht es sowohl digitales Know-how als auch Empathie (Einfühlungsvermögen, Verständnis für das Gegenüber). Es geht um Orientierung in der digitalen Welt: Wie funktioniert das Internet? Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich auf ein Problem stoße? Wie kann ich das Internet sinnvoll und sicher für mich nutzen?

Man könnte ja sagen, Hate Speech sei ein Online-Phänomen, Ihr begegnet diesem in Euren Workshops sehr analog. Warum?

Es ist wichtig, dass wir über Hate Speech sprechen und uns gemeinsam darüber auszutauschen, wie wir mit Hate Speech umgehen können. Durch das direkte Gespräch im Workshop und den Austausch untereinander wird Jugendlichen so schnell klar, dass Hate Speech ein reales Problem ist für das wir Lösungen finden müssen. Unsere Materialien stehen online unter freier Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Mit dem #NichtEgal Reader können Lehrkräfte oder ausgebildete Schüler-Mentor*innen die Online-Materialien für analoge Gespräche, Unterrichtseinheiten oder Projekttage in Schulen nutzen.

Kann man auch “digital” bei Euch lernen?

Ja, in unserem Mentorenprogramm! Das gemeinnützige Mentorenprogramm für Digitale Helden bildet mit einem Online-Kurs jugendliche Schüler*innen (8. bis 9. Klasse) zu Mentor*innen in der digitalen Welt aus. Der Online-Kurs begleitet die Mentor*innen und Lehrkräfte im Rahmen einer Schul-AG oder eines Wahlpflichtkurses über das ganze Schuljahr hinweg. Ziel ist es, Internetaufklärung dauerhaft im Schulalltag zu verankern und dadurch eine lebendige Wertediskussion an den Schulen zu etablieren. Der Unterschied zu den dreitägigen #NichtEgal Projekttagen ist, dass die Ausbildung von Mentor*innen fortlaufend, z.B. alle 14 Tage in Schule stattfindet und so noch tiefgehender und intensiver die Themen erarbeitet und umgesetzt werden können. Prävention und Medienbildung brauchen Raum und Zeit und deshalb gehören sie unserer Ansicht nach fest etabliert im Stundenplan.  

Welchen Beitrag kann Vernetzung im Umgang mit Hate Speech leisten?

Vernetzung ist ein sehr wichtiger Hebel im Umgang mit Hate Speech. Wer andere an seiner Seite weiß, fühlt sich nicht mehr allein, weiß wo er oder sie Hilfe finden kann und traut sich eher gegen Hate Speech zu positionieren. Außerdem wird so deutlich: Die Hater sind nicht die Mehrheit!

Wenn Ihr Euch ein Tool gegen Hassrede im Netz wünschen könntet, welches wäre das?

Das wäre natürlich toll, wenn es ein Tool geben würde, dass Hass im Netz stoppt. Aber so einfach ist das leider nicht. Tools sind unserer Meinung nach hier nicht die richtige Lösung. Toleranz und Respekt lernen Jugendliche und Erwachsene nur im Miteinander. Es gehört zu unseren Aufgaben als Pädagog*innen eine positive Debattenkultur zu vermitteln und selbst vorzuleben.  

Das NETTZ führte das Interview mit Birte Frey und Florian Borns vom Team Digitale Helden.

Autor*in

Barbara Djassi

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