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Portrait

Portrait No Hate Speech Movement auf "Das NETTZ"

Das No Hate Speech Movement ist eine Initiative des Europarats, deren Fokus auf dem Empowerment der von Hate Speech Betroffenen liegt. Ziel ist es, dass insbesondere junge Menschen zu Menschenrechtsaktivist*innen für den Online-Raum ausgebildet werden, sich für Vielfalt und Toleranz stark machen. Die Kampagne gegen Hass im Netz ist in mehr als 40 Ländern aktiv, darunter auch Deutschland unter https://no-hate-speech.de/

Hier wird die Umsetzung der nationalen Kampagne von den Neuen deutschen Medienmachern koordiniert. Gefördert wird die Kampagne vom BMFSFJ im Rahmen des Bundesprogramms “Demokratie leben!”. Sie bündelt die gesammelten Energien aller Akteur*innen, die sich gegen Hass im Netz stark machen und ist zentrale Ansprechpartnerin für den Bereich Hate Speech online. Die Kampagne will klar stellen: Hass ist keine Meinung.

Warum gibt es Euch?

Weil es nötig ist, dass sich jemand gegen Hass im Netz stark macht. Wir dürfen das Internet nicht einer kleinen, aber lautstarken Minderheit überlassen. Wir müssen aktiv werden, uns mit von Hate Speech Betroffenen solidarisieren und uns für eine zivile Kommentarkultur einsetzen. Das bedeutet nicht, dass wir letztendlich alle einer Meinung sein müssen oder sollten – im Gegenteil: Eine Debatte braucht Austausch und Diskussion. Was aber niemand braucht, sind Hate Speech, alternative Fakten und Wegschauen.

Was ist der wichtigste Punkt, der Euch zum Thema Hate Speech zurzeit umtreibt?

Der wichtigste Punkt derzeit, eigentlich schon seit Beginn der Kampagne, ist viel weniger ein Punkt als vielmehr eine Frage: Wie können wir den Fokus stärker auf von Hate Speech Betroffene richten? Wie können wir betroffene Menschen sowie die (noch) viel zu leise Mehrheit empowern und ermutigen, sich gegen Hassreden stark zu machen? Viele Initiativen, Artikel und Co. konzentrieren sich auf den Hass und die Hater*innen, logisch zwar, denn natürlich müssen wir auf den Hass reagieren – das sagen wir ja auch. Doch wir sollten auch viel mehr über betroffene Menschen sprechen, über die Konsequenzen von Hassreden – und auch darüber, wie wir helfen können und welche Maßnahmen/ Hilfsmittel gebraucht werden, um sich zu schützen und mit dem Hass klar zu kommen. Bisher kommt das leider an vielen Stellen zu kurz; Stattdessen wird diskutiert, wieso Hater*innen unzufrieden sind und ihrem Unmut (und Rassismus) so lautstark kundtun.  

Warum sollte man das No Hate Speech Movement kennen?

Das No Hate Speech Movement sollte man kennen, weil es als eine der erste Initiativen den Fokus nicht mehr auf die Hater*innen legt, sondern vielmehr die Mehrheit sowie die von Hate Speech Betroffenen empowern möchte. Dabei verfolgt die Kampagne einen menschenrechtlichen Einsatz: Wir sind vielmehr FÜR etwas und nicht immer nur dagegen. Wir belehren oder zensieren nicht, sondern machen lediglich klar, dass Debatten auch ohne Hate Speech und Co. auskommen.

No Hate Speech Movement versteht sich als Bewegung. Was genau macht Euch dazu? Was grenzt Euch von einzelnen Initiativen ab?Das No Hate Speech Movement grenzt sich von bestehenden Initiativen oder Organisationen ab, weil es eben nicht nur regional oder sogar bundesweit arbeitet, sondern eine internationale Bewegung ist.

Das No Hate Speech Movement grenzt sich von bestehenden Initiativen oder Organisationen ab, weil es eben nicht nur regional oder sogar bundesweit arbeitet, sondern eine internationale Bewegung ist.
Sina Laubenstein
Position Sina Laubenstein

Die Kampagne wurde vom Europarat initiiert und ist inzwischen in mehr als 40 Ländern aktiv, darunter auch Kanada, Mexiko und Marokko. Das bedeutet, dass wir nicht nur in Deutschland ein großartiges und breites Netzwerk an Akteur*innen haben, die schon seit Jahren im Bereich Hate Speech, Rechtsextremismus, Antisemitismus, und Co. aktiv sind, sondern auch auf internationaler Ebene Partner*innen haben, die nicht nur ihre Kompetenzen mit uns teilen, sondern gleichzeitig auch unsere Aktivitäten in ihre Arbeit mit aufnehmen.

Ein weitere Unterschied ist sicherlich der menschenrechtliche Ansatz, den die Kampagne verfolgt: Ziel ist es, dass sich die Zivilgesellschaft online für die Menschenrechte stark macht, gleichsam also zu Menschenrechts-Aktivist*innen für den Online-Raum werden.

Zu guter Letzt noch ein dritter Grund (, obwohl es sicherlich noch eine ganze Menge mehr gibt, das uns von anderen abgrenzt): Es ist ganz einfach, Teil des Movements zu werden. Wir wollen keinen Mitgliedsbeitrag, du musst keinen Antrag ausfüllen, um beim No Hate Speech Movement mitzumachen. Du bist gegen Hass im Netz und willst das deinem Netzwerk zeigen? Dann nutze unsere Inhalte, mache auf uns aufmerksam – und viel wichtiger: Mache dich gegen Hass im Netz stark. Hassreden und Rassismus haben auf deinem Blog oder YouTube/ Instagram-Channel nichts verloren? Nutze unser Logo und „schreie“ es in die Welt hinaus.

Was habt Ihr bisher erreicht?

Die Kampagne ist in Deutschland erst seit 2016 aktiv: Innerhalb kürzester Zeit haben wir uns zu einer zentralen Ansprechpartnerin für den Bereich Hate Speech online entwickelt. Zwar ist es schwierig, gesamtgesellschaftliche Verhaltensänderungen festzustellen, insbesondere innerhalb 12 Monate. Dennoch: Durch unsere Kampagnenarbeit haben wir zumindest die mediale sowie politische Aufmerksamkeit zunehmend auf das Problem Hate Speech online gelenkt.

Innerhalb des Projektes haben wir es außerdem geschafft, dass das Handbuch Bookmarks – Bekämpfung von Hate Speech im Internet durch Menschenrechtsbildung endlich auch für Multiplikator*innen in der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung steht. Wir werden außerdem einen praktischen Leitfaden für Medienschaffende und Online-Redaktionen veröffentlichen, um diesen Tipps und Tricks an die Hand zu geben.

In welchen Bezug steht ihr zur internationalen Organisation nohatespeechmovement.org? Welche Besonderheiten gibt es bei Hate Speech in Deutschland?

Vorab: nohatespeechmovement.org ist keine Organisation, sondern vielmehr die Website der internationale Kampagne des Europarats. Auf internationaler Ebene werden Koordinierungstreffen aller nationalen Kampagnen sowie Seminare zu verschiedenen Formen von Hate Speech oder aktuellen Entwicklungen auf politischer Ebene durchgeführt. Darüber hinaus gibt die internationale Kampagne verschiedene Aktionstage vor; daran möchten wir natürlich gerne teilnehmen und die Kolleg*innen der anderen Kampagnen unterstützen. Zu guter Letzt: Natürlich steht die internationale Kampagne uns (sowie auch den anderen nationalen Teams) mit Rat und Tat zur Seite.

Die Besonderheit bei der Hate Speech-Problematik ist, dass es keine Besonderheit gibt: Hate Speech ist ein globales Problem und global gesehen sind die immer gleichen Menschen und Minderheiten betroffen. In Deutschland häufen sich, betrachtet man die Entwicklungen der letzten Monate und meiner subjektiven Einschätzung nach, Hate Speech gegenüber geflüchteten Menschen. Das bedeutet im Gegenzug aber nicht, dass andere Gruppen weniger belastet sind oder weniger abbekommen – im Gegenteil. Was vielen nicht bewusst ist oder viele ganz einfach nicht wahrhaben wollen: Hate Speech ist kein neues Problem. Die Aufmerksamkeit für das Thema hat sich verändert, ja, aber Hasskommentare gab es im Internet – und darüber hinaus – schon immer.

Der Europarat hat die No Hate Speech Movement-Kampagne ins Leben gerufen. Inwiefern versteht Ihr Euch als politisch?

Hate Speech ist ein politisches Thema, genauso wie die Menschenrechte. Also klar, wir sind politisch insofern, dass wir uns für Themen einsetzen, die von der Politik beachtet und diskutiert werden müssen. Dennoch sind wir eine überparteiliche Kampagne und keine politische Organisation.

Welchen Beitrag kann Vernetzung im Umgang mit Hate Speech leisten?

Vernetzung ist unglaublich wichtig im Bereich Hate Speech! Bisher scheint es so, dass viele verschiedene Akteur*innen und Organisationen sich mit Hate Speech auseinandersetzen, durch fehlende Vernetzung und Kommunikation aber noch nie voneinander gehört haben. Es ist schön, dass es in Deutschland so viele großartige Initiativen gibt, die sich gegen Hass im Netz stark machen – aber gemeinsam haben wir doch viel mehr Schlagkraft als alleine. Aus diesem Grund bündelt die No Hate Speech Kampagne alle vorhandenen Energien, die sich gegen Hate Speech stark machen und stark machen wollen.

Wenn Ihr Euch ein Tool gegen Hassrede im Netz wünschen könntet, welches wäre das?

Es wäre schön, wenn wir nicht so sehr über ein Tool gegen Hassreden im Netz nachdenken würden, sondern vielmehr anfangen würden über Betroffene und Aktivist*innen nachzudenken. Was können diese gebrauchen? Es kann sicherlich nicht schaden, wenn man die verschiedenen Menschen zusammenbringt und Räume schafft für neue Ideen und Initiativen, um sich gegenseitig zu stärken. Dazu braucht es aber eben genau das: Räume, genauso wie die finanzielle Unterstützung und kompetente Beratung: Wie kann ich ein Projekt aufziehen, was muss ich beachten, wie kann ich Reichweite und Schlagkraft vergrößern.

Gleichzeitig braucht es Mechanismen und Strategien, um Betroffenen und Aktivist*innen zu zeigen, wie sie sich selbst schützen können, wo sie Hilfe bekommen können und Co.

Das Interview führte Das NETTZ mit Sina Laubenstein von No Hate Speech.

Autor*in

Barbara Djassi

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