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Portrait

Gegen den Extremismus, aber nicht gegen den Extremisten! - Portrait Extremislos e.V.

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Foto: Andi Weiland | Das NETTZ

Ihr habt den NETTZ-Förderpreis gewonnen. Was habt ihr damit angestellt?
Mit dem gewonnenen Förderpreis von Das NETTZ haben wir wie angekündigt unsere Deradikalisierungs- und Anti-Gewalt-Arbeit bei YouTube ausgebaut und konnten damit die Reichweite auf 300.000+ Klicks im Monat auf unseren Videos steigern. Außerdem konnten wir zwei Menschen mit Handicap in das Projekt integrieren und für ihre ehrenamtliche Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung zahlen. Mit Marisa, Martin und Matthias haben wir drei liebe Menschen an Bord. Martin, der im vergangen Jahr ein Bein und ein Auge durch eine Diabetes Erkrankung verloren hat, organisiert die Aufnahmen für Youtube und die Regie und ist nun in unserem Verein Extremislos e.V. aktiv und sehr engagiert. Matthias, schon seit frühen Jahren gehandicapt durch eine Beinamputation, ist zuständig für den Videoschnitt und die Moderation der Livestreams von Youtube.

Youtube
Foto: Screenshot Youtube

Was hebt euch ab von anderen Deradikalisierungsmaßnahmen?
Unser Alleinstellungsmerkmal ist aus unserer Sicht, dass wir eine sehr niedrigschwellige und äußerst authentische Gegenrede im Internet haben. Das Problem, was wir vorher gesehen haben, ist, dass es zwar viele tolle Projekte gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen, aber nicht die entsprechenden jungen Menschen erreichen. Ganz oft hören wir Sätze wie: “Ihr versteht das doch. Ihr kennt das doch. Sag mal bitte, Philip, wie hast du das geschafft?” Wir haben sozusagen einen Vertrauensvorschuss.

Wo stoßt ihr an Grenzen?
Wir stoßen in dem Moment an unsere Grenzen, wenn Klient*innen an ihrer Deradikalisierung interessiert sind und wir sie nicht persönlich betreuen können. Eine Vernetzung mit regionalen Ausstiegsprogrammen wäre wünschenswert. Der Deradikalisierungsprozess ist zeitintensiv und die Betreuten müssen einen langen Weg gehen, was auch in unserem kleinen Verein viele Ressourcen bindet. Wir versuchen dieses zu gewährleisten und dabei sinnvoll zu wachsen.

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Foto: Andi Weiland | Das NETTZ

Was ratet ihr Leuten, die mit radikalisierten Freund*innen und Verwandten überfordert sind?
Keine Scheu haben um Hilfe zu bitten. Im Internet, sowie bei diversen offline Stellen kann man sich informieren, sich Hilfe holen und die Person auf gar keinen Fall aufgeben.

Klare Kante zeigen, aber dabei nicht stigmatisieren, Moralapostel spielen und/oder sagen, dass was du machst ist alles blöd und falsch. Gegen den Extremismus, aber nicht gegen den Extremisten!
Philip Schlaffer
Geschäftsführer Extremislos e.V.

Wir beschäftigen uns mit dem politischen Instrument Hate Speech. Einige der Leute, die Hassrede produzieren, lassen sich instrumentalisieren. Was führt deiner Meinung nach dazu?
Wir glauben persönlich, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie Hate Speach produzieren. Mit jedem Klick und Teilen eines Videos im Social-Media unterstützen sie die Menschen, die die Demokratie und die Freiheitliche demokratische Grundordnung, in der wir leben, abschaffen wollen.

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Foto: Andi Weiland | Das NETTZ

Du hast beim Community Event viele der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen getroffen. Wie schätzt du die Community ein?
Ich persönlich war von den Akteur*innen beeindruckt. Sehr viele unterschiedliche Menschen trafen dort aufeinander und das ist genau das, was wir auch brauchen. Wir versuchen mit unterschiedlichen Denkweisen und Herangehensweisen die Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen. Schade, dass viele Akteur*innen an kurz finanzierte Projekte gebunden sind und wenn keine Finanzierung gefunden wird, diese tollen Ansätze und eventuelle Motivationen verloren gehen.

Was wünscht ihr euch von Politik und Gesellschaft, um wirksam gegen Extremismus vorzugehen?

Wir wünschen uns von der Politik und der Gesellschaft, dass das Thema nicht nur immer in den Fokus gerät wenn aktuelle Ereignisse stattgefunden haben. Es muss eine langfristige, gut finanzierte Extremismus Prävention geben.
Philip Schlaffer
Geschäftsführer extremislos e.V.

Was sollten wir Engagierten beachten? Was sollte sich eurer Meinung nach bei den Plattformen ändern?
Meine Meinung dazu ist, dass die engagierte Zivilgesellschaft und Plattformen wirklich gucken müssen, wen sie mit Ihren Projekten erreichten. Sprechen wir auch genau das Publikum an, dass wir erreichen möchten oder finden die Klicks nur in unserer eigenen Bubble statt? Diese Überprüfung müssten sich die Projekte alle stellen und gegebenenfalls nachjustieren.

Wie kann man eure Arbeit unterstützen?
Unsere Arbeit kann man unterstützen, indem man uns in den sozialen Medien mit positiven Kommentaren stärkt, Förderpreise heraus sucht und bei Konzepten mitarbeitet. Natürlich ist jede/r eine große Unterstützung, der/die Mitglied bei unserem Verein Extremislos e.V. wird. Wir freuen uns auch über Geld und Sachspenden, die den Projekten zugutekommen.

Womit bist du im Augenblick beschäftigt? 
Im Moment befinde ich mich in einer sehr spannenden Phase. Am 1. April erscheint mein Buch: Hass. Macht. Gewalt. – Philip Schlaffer. Danach gehe ich auf Lesereise und freue mich darauf, die unterschiedlichsten Menschen bei den Veranstaltungen kennenzulernen.
 

Philip Schlafer Buch
Foto: Screenshot Droemer Knaur Verlag

Gibt es etwas, das ihr gern mitteilen möchtet? 
Wir bedanken uns, dass wir ein Teil der Community sein dürfen und gefördert wurden. Ein riesen Dank geht an Das NETTZ!

Autor*in

Barbara Djassi

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