Veranstaltung

Jugendschutz und Meta. Ein Gespräch mit der Whistleblowerin Frances Haugen.

 Frances Haugen mit Das NETTZ und HateAid gegen Hass im Netz
Whistleblowerin Frances Haugen mit Das NETTZ und HateAid

Im Rahmen ihres Deutschlandbesuchs durften wir gemeinsam mit HateAid die bekannte Whistleblowerin Frances Haugen im bUm in Berlin-Kreuzberg begrüßen. Mit unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen führten wir ein Gespräch über Jugendschutz in den sozialen Plattformen von Meta. Dabei interessierte uns vor allem die Frage, wie wir junge Erwachsene und Minderjährige im Internet heute und in Zukunft besser schützen können. 

Spätestens seit Veröffentlichung der Facebook-Papers von Frances Haugen ist bewiesen: Die Entwicklungen bei den Sozialen Netzwerken des Facebook-Mutterkonzerns Meta haben direkte negative Auswirkungen, nicht nur, aber vor allem für Kinder und junge Erwachsene. Meta wisse um die schädliche Wirkung ihrer Algorithmen, so Haugen, die Desinformation, Hassrede und psychischen Krankheiten befördern.

Besonders im Bereich des Jugendschutzes belegen die veröffentlichten Dokumente die Anschuldigungen. Demnach stelle Meta Profite über das Wohlergehen von User*innen. So schade Instagram beispielsweise wissentlich dem Selbstbild von jungen Mädchen. Die Plattform unterstütze, laut Wall Street Journal, durch ihren Algorithmus die Bewerbung eines unrealistisches Körperbildes. Jedes dritte Mädchen im Teenager-Alter leide unter dem Druck, diesem Körperbild zu entsprechen. Die Plattform wird so zu einer Gefahr für das Selbstwertgefühl und kann Suizidgedanken und Depressionen hervorrufen. Dies deckte das Wall Street Journal in ihrer Serie zu den Facebook Files auf. Haugen übergab der Zeitung im letzten Jahr die Dokumente von Facebook, woraufhin es einige dieser veröffentlichte.

Mit der Vision vom Metaverse, prophezeit Haugen, werden sich noch mehr Aktivitäten (und damit auch Zeit und Kapazitäten) unseres Lebens in den sozialen Netzwerken abspielen. Damit wird das Unternehmen mehr Raum im Alltag vieler Menschen einnehmen. Umso wichtiger, so Haugen, sei die frühzeitige Regulierung der Plattform von außen, da Selbstregulierung ihrer Ansicht nach nicht funktioniere. “The internet was not designed for children” erklärt sie. Und empfiehlt daher, die Nutzung der Plattformen, insbesondere von Instagram, für junge Menschen und Kinder stark zu beschränken, weil sie die aktuelle Funktionsweise für eine große Gefahr ihrer Entwicklung sieht.

 

"The internet was not designed for children."
Frances Haugen
Facebook-Whistleblowerin

Haugen erklärte weiter, dass sie mit den veröffentlichten Dokumenten über das Verhalten von Meta aufklären möchte. Und betonte dabei Es ist noch nicht zu spät, wir sind in einem Zeitalter, in dem wir noch Druck ausüben und mitgestalten können, um das Wohl der Nutzer*innen zu schützen. Dabei braucht es sowohl bei jungen als auch bei älteren Menschen Bildungs- und Dialogmaßnahmen zu Algorithmen. Es brauche eine engere Vernetzung jener Menschen, die die technologische Funktionsweise der sozialen Netzwerke verstehen, mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen. 

"We need an open discourse between technologists and civil society."
Frances Haugen
Facebook-Whistleblowerin
Frances Haugen im Gespräch
Frances Haugen im Gespräch.

So können kreative Ideen der Zivilgesellschaft zur Verbesserung von Regulierung, aber auch der Nutzung von sozialen Netzwerken geschaffen werden. Auch der Druck der Zivilgesellschaft auf die Regierung müsse steigen, um gegen die Unternehmen härter vorzugehen. Denn gesetzgeberische Maßnahmen in Form von Regulierungen und Transparenzauflagen für Plattformen können den Weg zu nachhaltiger Veränderung ebnen. Der oft nur limitierte Umgang mit Teilaspekten der Grundproblematik, beispielsweise in Form der Strafverfolgung einzelner Inhalte, reiche nicht. Es ginge vielmehr darum, im Sinne von “safety by design” das Produkt selbst sicherer zu gestalten.

"We need safety by design."
Frances Haugen
Facebook-Whistleblowerin

Bei der Gestaltung technologischer Anwendungen sollten auch psychologische Aspekte der Nutzer*innen berücksichtigt werden - und zwar nicht zum Selbstzweck des Wachstum, sondern in diesem Fall zum Schutz von Jugendlichen. Hier brauche es Maßnahmen aus der Politik und Gestaltungsmöglichkeiten aus der Zivilgesellschaft.

Autor*in

Besa Misimi

(sie/ihr) Werkstudentin im Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz

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