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Portrait Love-Storm

LOVE-Storm mobil
© Foto: LOVE-Storm

Barbara Djassi sprach mit Beate Achilles von der Plattform LOVE-Storm über das Engagement gegen Hate Speech.

Was erwartet Nutzer*innen, wenn sie sich auf LOVE-Storm bewegen?
Wir organisieren Zivilcourage im Netz! Deswegen vereint unsere Plattform mehrere Funktionen: Erstens lernen Nutzer*innen in kostenlosen Online-Trainings, wie sie Hasskommentare wirksam kontern können. Zweitens können Betroffene oder Beobachter*innen von Hassangriffen diese an uns melden und bekommen dann Hilfe von anderen LOVE-Stormer*innen. Diese können sich dann drittens über unsere Aktionsplattform untereinander austauschen und beraten. Nicht zuletzt soll so eine lebendige Community entstehen, in der sich Menschen engagieren, ihre Fähigkeiten ausbauen, sich gegenseitig unterstützen. Am Wichtigsten ist: Wer bei LOVE-Storm mitmacht, muss Hass nie mehr alleine begegnen. 
 

Am Wichtigsten ist: Wer bei LOVE-Storm mitmacht, muss Hass nie mehr alleine begegnen. 
Beate Achilles
LOVE-Storm / Öffentlichkeitsarbeit und Projektkoordination

Euer Angebot hat bei der Abstimmung beim NETTZ-Community-Event gewonnen. Konntet ihr die Ziele erreichen, mit denen ihr euch beworben habt?
Oh ja! Mit dem Award konnten wir unsere Trainerinnen erfolgreich ausbilden – ein wichtiger Schritt, um mehr Leute mit den LOVE-Storm Trainings zu erreichen.

Welche Maßnahmen wollt ihr in Zukunft ergreifen um diverser zu werden?
Mit LOVE-Storm wollen wir Verbänden und Selbsthilfeorganisationen von Gruppen, die besonders häufig zur Zielscheibe von Hass im Netz werden, die Möglichkeit geben ihre Verteidigung auf der LOVE-Storm Aktionsplattform selber zu organisieren. Zur Zeit suchen wir daher Selbsthilfegruppen, die mit uns thematische Aktionstage organisieren und Vertreter*innen ihrer Community zu Trainer*innen ausbilden lassen. Mittelfristig können sie dann ihren gesamten Themenbereich betreuen und eigenständig Alarme auslösen.
 

Was sind eure Ziele?
Von Hass im Netz sind besonders Menschen betroffen, die ohnehin unter gesellschaftlicher Diskriminierung leiden: z.B. People of Colour, Frauen, Menschen aus der LGBTIQ*-Community und Menschen mit Behinderungen. Insofern wollen wir nicht nur allgemein für eine gute Diskussionskultur im Netz eintreten, sondern auch für eine möglichst gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen an öffentlichen Debatten. Dafür wollen wir:
1. Angegriffene stärken und unterstützen
2. ein öffentliches Zeichen gegen den Hass setzen und Zuschauer*innen animieren, selbst aktiv zu werden
3. Angreifer*innen gewaltfrei Grenzen setzen und sie, wenn möglich, zum Dialog einladen.

Grafik LOVE-Storm
© Grafik: LOVE-Storm

Wie kamt ihr auf die Idee eine Plattform zum Üben von Gegenrede zu gründen?
Nach dem Ende der medialen Euphorie über den Sommer der Hilfsbereitschaft für Geflüchtete in 2015, kam es zu einem Backlash des Hasses, der vor allem online (und in unzähligen Angriffen und Anschlägen) ausgetragen wurde. Hetze und menschenverachtende Äußerungen, die vorher undenkbar waren, wurden salonfähig. Unser Projektleiter, Björn Kunter, ist seit vielen Jahren in der Friedensbewegung aktiv und seit den 90er Jahren Trainer für Zivilcourage. Schon damals ging es darum Geflüchtete und „Linke“ gegen rechtsextreme Angriffe zu schützen und die damals entwickelten Konzepte haben entscheidend dazu beigetragen, zwei Wellen rechtsextremer Gewalt wieder einzudämmen. Das brachte Björn auf die Idee, die Zivilcourage in das Netz zu übertragen. Die Idee von LOVE-Storm war geboren.
 

Wie wird das Angebot angenommen? Was sind das für Leute, die an euren Trainings teilnehmen?
Seit dem offiziellen Launch der Plattform im September 2018 konnten wir bereits rund 300 Teilnehmer*innen in Online-Gegenrede trainieren. Meistens sind das Menschen, die politisch aktiv sind oder in (medien)pädagogischen, sozialen und publizistischen Berufen arbeiten.

Welche Rückmeldungen erhaltet ihr von den Teilnehmenden? Könnt ihr ihnen die Angst vor praktizierter Gegenrede nehmen?
Nach dem Training berichten die Teilnehmenden in der Regel, dass sich ihr Training sehr real angefühlt hat und sie sich jetzt besser in der Lage fühlen, beim nächsten Hass-Vorfall deeskalierend einzugreifen. Angegriffene haben uns berichtet, dass der Beistand durch LOVE-Storm und die Gegenrede der LOVE-Stormer sehr aufbauend, unterstützend und solidarisch gewesen sei. 
 

Team LOVE-Storm
© Foto: LOVE-Storm

Ihr plant aktuell eine App, mit der man über das Smartphone Hassangriffe melden kann und Hilfe finden. Wie funktioniert das?
Jede*r, die/der einen Hassangriff im Netz mitbekommt und Mitstreiter*innen suchen möchte, um online dagegen vorzugehen, kann den Vorfall über die App an die LOVE-Storm Community melden. Dafür gibt es in der App ein Meldeformular. Umgekehrt versendet die App auch Nachrichten, um Unterstützer*innen gegen einen Hassangriff zusammenzutrommeln. Allerdings wird die App erst im Mai offiziell erscheinen. Wer die App vorab schon mal testen möchte, sollte sich direkt an uns wenden.

 

Auf welche Herausforderungen seid ihr gestoßen? Welche Erfahrungswerte könnt ihr an andere weitergeben, die eventuell auch neue Plattformen bauen wollen? 
Der Teufel liegt im Detail. Wir sind auf eine Menge technischer Fallstricke bei der Programmierung unserer Plattform gestoßen. Man braucht zuverlässige und kompetente Web-Programmierer*innen und klar definierte Anforderungen. Man sollte sich darauf einstellen, dass die Umsetzung eines solchen Web-Projekts länger dauert, als man ursprünglich angenommen hat.
 

Habt ihr Wünsche an Anbieter von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter etc.?
Leider produzieren Hass-Posts auf beiden Plattformen besonders viele „Likes“. Das führt dazu, dass die Algorithmen von Facebook und Twitter ausgerechnet solche Posts besonders eifrig verbreiten. Beide Plattformen sollten versuchen, hierfür eine Lösung zu finden, um die Verbreitung von Hass nicht auch noch technisch zu unterstützen.
 

Welche Unterstützung wünscht ihr euch für euer Projekt?
Wir wünschen uns viele Unterstützer*innen, die uns helfen, LOVE-Storm bekannter zu machen, damit möglichst viele Menschen sich trainieren lassen und zum Teil unserer aktiven Community werden.

Nur durch das Zusammenspiel von Online-Zivilcourage und rechtlichen Schritten können wir verhindern, dass Hass und feindselige Parolen die öffentliche Debatte dominieren oder schlimmstenfalls ganz abwürgen. Am wichtigsten ist es, einfach mitzumachen.
Beate Achilles
LOVE-Storm / Öffentlichkeitsarbeit und Projektkoordination

Am besten melden sich Interessierte für ein Onlinetraining an; am besten gleich zusammen mit einer Gruppe von Freund*innen oder Mitstreiter*innen, mit sie sich gemeinsam dem Hass entgegenstellen wollen. Bei unseren bundesweit stattfindenden Multiplikator*innen-Trainings kann man sich selbst zu Trainern für Online-Gegenrede ausbilden lassen. Die Termine findet ihr hier.

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