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Portrait

Portrait Offene Gesellschaft on Tour

Tag der offene Gesellschaft
© Foto. Initiative Offene Gesellschaft e.V.

Welches Land wollen wir sein? Mit dieser Frage startet die Initiative Offene Gesellschaft dieses Jahr ein ungewöhnliches Projekt: An 15 Orten in ganz Deutschland machen sie sich auf die Suche nach guten Ideen für die offene Gesellschaft und tragen sie weiter durchs ganze Land. Wie das alles funktioniert, hat Barbara Djassi im Gespräch mit Projektleiterin Mascha Roth erfahren.

Im Mai startet ihr eine Tour Tour durch Deutschland. Unter welchem Motto steht das Projekt?
Die zentrale Frage der Tour lautet: “Welches Land wollen wir sein?”. Das ist auch der Titel der Debattenreihe mit der wir als Initiative gestartet sind und die bis heute läuft. Um diese Frage zu beantworten, ist es aber genauso wichtig, sich zu fragen, welche Stadt, welches Bundesland, welches Europa wir sein wollen. Und natürlich auch, ob wir überhaupt in diesen Kategorien denken und leben wollen.

Wie werdet ihr die Frage unter die Leute bringen? 
Nachdem wir mit unserer Debattenreihe schon viel Erfahrung mit der Frage "Welches Land wollen wir sein?" gemacht haben und daraus interessante Diskussionen, Antworten und Ideen entsprungen sind, haben wir uns nun nach neuen Formen der Auseinandersetzung mit der Frage gemacht. Das Spannende an der Fragestellung ist, dass wirklich jeder etwas dazu zu sagen hat. Eine neue Form der Auseinandersetzung wird eine Intervention mitten in der Stadt sein, die durch die Antworten und Ideen der Menschen zu einer Ausstellung wird. Auch mit dabei ist die Ideenwerkstatt, die in unterschiedlichen Workshopformaten auf ganz konkrete Lösungs- und Ideensuche geht.

Besonders spannend wird es beim Programm, das von Menschen und Organisationen vor Ort ausgerichtet wird: vom Infoabend über Party, Tanzkurs und Diskussionsformat ist schon alles dabei. Und am Ende schließen wir mit einer großen „Welches Land wollen wir sein?“ Debatte ab, bei der sowohl Menschen mit tollen Ideen für unsere Zukunft, als auch politische Entscheidungsträger eingeladen werden.

Die Ergebnisse aus Intervention, Ausstellung, Programm und Ideenlabor versuchen wir zusammenzutragen und so die Ideen von Stadt zu Stadt wandern zu lassen. 

Ihr wollt “mit den Veranstaltungen die gewohnten gesellschaftlichen Blasen durchbrechen”. Wie stellt ihr das an? 
Zum einen platzieren wir die Ausstellung mitten im öffentlichen Raum, sodass Menschen unterschiedlicher Hintergründe die Ausstellung entdecken, besuchen und dadurch ins Gespräch kommen werden. Über die Partner in jeder Stadt erreichen wir ebenfalls sehr unterschiedliche Gruppen.

Und letztendlich ist das Engagement für eine offene Gesellschaft so vielfältig und wird so oft übersehen, dass wir hoffen allein mit den Veranstaltungen Menschen in Austausch zu bringen, die sonst so nicht zusammenkommen würden. Am Ende gilt hier also der „Freunde von Freunden von Freunden“ Ansatz.
Mascha Roth
Initiative Offene Gesellschaft

Wann geht es los und wie stehen die Tourdaten in Bezug zu politischen Ereignissen, die uns dieses Jahr erwarten, sowie zu geschichtlichen Momenten, an die wir uns erinnern werden? 
100 Jahre Weimarer Republik, 70 Jahre Grundgesetz, 30 Jahre Mauerfall … Dieses Jahr gibt es ja wirklich viele historische Momente, die uns allen die Möglichkeit geben einmal ganz anders auf den Status quo zu blicken. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Dann noch Landtags- und Kommunalwahlen und die Europawahl im Mai. Anlässe gab es also genug und die Auswahl fiel nicht leicht.

Wir starten im Mai in Schwerin und werden zur Europawahl in Görlitz sein. Das Grundgesetz wird voraussichtlich durchgehend Thema sein. Vor der Wahl in Sachsen sind wir in Erfurt, zum Mauerfall in Chemnitz.

Tour Karte
© Grafik: Initiative Offene Gesellschaft e.V.

Habt ihr schon einen Zeitplan und eine Route? Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Stationen aus?
Der Tourplan steht! Auch wenn es kein einfaches Unterfangen war. Natürlich zählt eine ausgewogene geografische Verteilung. Besonders interessiert haben uns im Jahr der Europawahl auch Grenzstädte. Mit dabei sind nun neben Görlitz auch Aachen und Passau. 

Darüber hinaus haben wir uns an einem Modell verschiedener Städtetypen orientiert. Und dann gibt es Städte, in denen seit Jahren ein so starkes Engagement in Zusammenarbeit mit der Initiative gibt, dass wir froh sind einige hiervon besuchen zu könne, um gemeinsam etwas Großes auf die Beine zu stellen!

Werden der Prozess oder die Ergebnisse auch für Menschen erlebbar sein, die nicht das Glück haben, sich an einem der Orte aufzuhalten?
Daran arbeiten wir gerade auf Hochtouren! Fest steht: Die Tour wird über Social Media, also Facebook und Instagram, mitverfolgt werden können. Wir wollen es darüber hinaus auch ermöglichen, Antworten und Ideen miteinzubringen. Und ein bisschen haben wir auch die Hoffnung, dass die Ausstellung zumindest in Teilen danach weiter reisen kann… 

Zu eurem Kick-Off habt ihr lauter Initiativen eingeladen. Wie können die eure Tour unterstützen?
Beim Kick-Off haben uns viele Partner und Vertreter anderer Organisationen extrem wichtiges Feedback gegeben und so die Konzeption des gesamten Projekts maßgeblich mit geformt. Jetzt freuen wir uns nach wie vor über Feedback und Vorschläge. 

Und am aller Wichtigsten: wir freuen uns über alle, die das Programm vor Ort mit gestalten wollen. Nur so können wir viele Menschen erreichen und einbeziehen.
Mascha Roth
Initiative Offene Gesellschaft

Man begegnet in den verschiedenen Regionen einer unterschiedlichen Grund-Offenheit. Wie geht ihr darauf ein? Und finden Menschen, die sich nicht für eine offene Gesellschaft begeistern können in einer solchen Platz?
Die große Erkenntnis der offenen Gesellschaft ist eigentlich, dass sie nie „fertig“ ist. Sie ist permanenter Aushandlungsgegenstand, es gibt kein schwarz oder weiß, kein gut oder schlecht, kein so oder so, keine Alternativlosigkeit. Die Welt steht nie still und unsere Gesellschaft ist immer im Wandel. Die Sache ist aber folgende: Die Frage, welches Land, welche Gesellschaft, welches Europa, welche Welt wir sein wollen, kann nur in einer offenen Gesellschaft öffentlich gestellt, von der Zivilgesellschaft diskutiert und Wandel mit gestaltet werden. Genau das ist in einer geschlossenen Gesellschaft nicht möglich. Das sollte auch den harten Kritikern einer offenen Gesellschaft bewusst sein. Soll heißen: es ist immer Platz für Skepsis, wir setzen uns aber für eine konstruktive, vorwärtsgewandte Debatte ein!

Heute Offene Gesellschaft
© Foto: Initiative Offene Gesellschaft e.V.

Das Gespräch mit Mascha Roth führte Barbara Djassi

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NETTZ-Redaktion

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