Allgemeines

Verantwortung für digitale Diskussionsräume übernehmen: Der neue Community Kodex

Grafik mit dem Schriftzug „Wir unterstützen den Community Kodex“ und dem Logo des Community Kodex als Zeichen der Unterstützung für verantwortungsvolles Community Management.
Wir unterstützen den Community Kodex

Kommentarspalten sind längst mehr als ein Ort für Reaktionen auf Beiträge. Sie sind öffentliche Diskussionsräume, in denen gesellschaftliche Debatten geführt werden und demokratische Aushandlungsprozesse stattfinden. Gleichzeitig sind sie Räume, in denen Hassrede, Desinformation und gezielte Einschüchterung Menschen aus dem Diskurs verdrängen können.

Damit digitale Öffentlichkeiten Orte des demokratischen Austauschs bleiben, braucht es Menschen, die diese Räume aktiv moderieren. Community Manager*innen begleiten Diskussionen, treten Hassrede entgegen und schaffen die Voraussetzungen für einen respektvollen Austausch. Diese Arbeit ist unverzichtbar und gleichzeitig häufig unsichtbar.

Genau hier setzt der Community Kodex an. Er formuliert acht Leitprinzipien für verantwortungsvolle Moderation in digitalen Räumen und richtet sich an Organisationen, die Online-Communities verantworten. Ziel ist es, demokratische Diskussionsräume zu stärken und Community Manager*innen die Strukturen und Ressourcen zu geben, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Als Teil des interdisziplinären Fachgremiums hat Amos Wasserbach für Das NETTZ an seiner Entwicklung mitgearbeitet.

Verantwortung endet nicht beim Veröffentlichen eines Beitrags

Organisationen und Unternehmen tragen Verantwortung für die Räume, die sie schaffen. Wer Inhalte veröffentlicht, trägt auch Verantwortung dafür, wie in den dazugehörigen Kommentarspalten miteinander umgegangen wird. Denn was dort unwidersprochen stehen bleibt, prägt den öffentlichen Diskurs und beeinflusst, wer sich beteiligt – und wer sich aus Angst vor Anfeindungen zurückzieht.

Moderation bedeutet deshalb weit mehr als das Löschen einzelner Kommentare. Sie sorgt dafür, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden können, ohne dass Menschen durch Hass, Diskriminierung oder persönliche Angriffe aus der Debatte verdrängt werden. Demokratischer Diskurs lebt von Meinungsverschiedenheiten, nicht von Menschenfeindlichkeit.

Community Management braucht Rückhalt

Wer täglich Hassrede, Desinformation und digitale Gewalt moderiert, ist hohen psychischen Belastungen ausgesetzt. Dennoch fehlt es Community Manager*innen vielerorts an ausreichenden Ressourcen, klaren Zuständigkeiten und institutioneller Unterstützung.

Professionelles Community Management ist keine Nebenaufgabe, sondern eine eigenständige fachliche Disziplin. Dafür braucht es klare Handlungsspielräume, verbindliche Qualitätsstandards und Maßnahmen zum Schutz derjenigen, die digitale Diskussionsräume tagtäglich begleiten.

Der Community Kodex

Im Mittelpunkt stehen zwei Handlungsfelder: verantwortungsvolle Moderation auf der Grundlage von Menschenwürde, Diskriminierungsschutz und demokratischem Diskurs sowie gute Rahmenbedingungen für Community Manager*innen – von klaren Zuständigkeiten über ausreichende personelle und technische Ressourcen bis hin zu Maßnahmen zum Schutz vor psychischer Belastung.

Der Kodex macht deutlich: Gute Moderation bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern Diskussionen fair, respektvoll und menschenwürdig zu gestalten. Gleichzeitig fordert er Organisationen dazu auf, Community Management als strategische Aufgabe zu verstehen und nachhaltig zu stärken.

Das NETTZ ist Erstunterzeichnerin

Als Erstunterzeichner*innen bekennen wir uns gemeinsam mit zahlreichen Organisationen aus Zivilgesellschaft, Medien, Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft zu diesen Standards und zeigen Haltung. Wir sind überzeugt: Wer Hassrede und Desinformation wirksam begegnen möchte, muss nicht nur klare Moderationsstandards schaffen, sondern auch die Menschen stärken, die sie täglich umsetzen.

Der Community Kodex wurde von Vivian Pein, einer der führenden Community-Management-Expertinnen Deutschlands, sowie Oliver Saal und Teresa Sündermann vom Projekt Civic.net der Amadeu Antonio Stiftung initiiert und gemeinsam mit einem breiten, sektorübergreifenden Bündnis entwickelt. Wir bedanken uns herzlich bei den Initiator*innen und allen Mitwirkenden für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit. Zu den Erstunterzeichner*innen zählen unter anderem Campact, CSD Deutschland, Neue deutsche Medienmacher*innen, GLS Bank, SocialHub, Conversario und wir als Das NETTZ.

Organisationen, die den Community Kodex ebenfalls unterzeichnen möchten, finden alle Informationen unter www.communitykodex.de 

Person mit Blauem Pullover und violetter Kopfbedeckung vor buntem Hintergrund
Autor*in

Emine Aslan

(-/-) Online-Redakteur*in