Forschung

Wirksam widersprechen: Digitale historisch-politische Bildung stärken

Es sind die Umrisse einer Person vor einem grauen Hintergrund zu sehen. Die Person steht und ruft in ein Megaphon.
© Unsplash | Patrick Fore

Online-Räume eröffnen neue Möglichkeiten des Lernens - und bergen zugleich die Gefahr der schnellen Verbreitung falscher Inhalte und Narrative. Durch unser neues Kooperationsprojekt mit der Stiftung EVZ möchten wir zu einer starken digitalen Zivilgesellschaft im Themenfeld der historischen politischen Bildung beitragen. Hierfür werden gemeinsam mit Praxisakteur*innen Handlungsempfehlungen für den wirkungsvollen Einsatz digitaler Inhalte entwickelt, die geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Erzählungen in digitalen Räumen widersprechen. 

Online-Räume in der historisch-politischen Bildung: Zwischen Chancen und Herausforderungen 

Die Relevanz von Social Media als Raum für Bildungsprozesse nimmt stetig zu. Insbesondere für junge Menschen werden Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube zu Lernorten. Dadurch entstehen neue Chancen, Wissen alltagsnah zu vermitteln, Perspektiven zu erweitern und Teilhabe zu stärken (Maier 2024). Dies gilt auch für Formate der historisch-politischen Bildung, insbesondere für Aufklärungsarbeit in Bezug auf die deutsche NS-Geschichte.

Zeitgleich erleben wir, dass Nutzer*innen auf Social Media immer mehr mit geschichtsrevisionistischen Inhalten konfrontiert sind (vgl. UNESCO 2022ISD 2024Lehmann & Schröder 2021). Zudem herrscht in Deutschland ein generell geringes Bildungsniveau in Bezug auf die historisch-politische Bildung, was als Resultat die Tendenz der Narrativverbreitung noch verstärkt (vgl. MEMO Studie 2025 S.11Claims Conference 2025). 

Was brauchen wir, um geschichtsrevisionistischen Inhalten zu begegnen? 

Aus Gesprächen mit Akteur*innen der digitalen historisch-politischen Bildung zeigt sich in diesem Zusammenhang ein klarer Bedarf: Es braucht Unterstützungsangebote, die eine schnelle und wirksame Reaktion auf geschichtsrevisionistische Kommentare und Beiträge ermöglichen. Ziel ist es dabei nicht nur, Fehlinformationen zu korrigieren, sondern auch die mitlesende Öffentlichkeit zu informieren und für historische Zusammenhänge zu sensibilisieren.

Gewünscht wird eine niedrigschwellige, praxisnahe Sammlung wirkungsvoller Handlungsstrategien, die sich gut in digitale Arbeitsprozesse der Content-Creation integrieren lässt. Zudem besteht ein deutliches Interesse an Austausch und Vernetzung mit anderen Akteur*innen.

In der aktuellen ersten Projektphase schärfen wir diese Bedarfsanalyse weiter. Dafür haben wir mit Stakeholder*innen aus der historisch-politischen Bildung sowie Content Creator*innen über ihre Erfahrungen im Umgang mit geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Inhalten gesprochen.

Ergänzend bringen wir in einem zweistündigen Online-Peer-Learning-Workshop Akteur*innen aus der historisch-politischen Bildung sowie aus der Arbeit gegen Hass im Netz und Desinformation zusammen. Im Mittelpunkt steht das Erfahrungswissen aus der Netzwerkpraxis: Was hilft im (Arbeits-)Alltag? Was stärkt uns gegenseitig? Und was lässt sich aus anderen Arbeitsfeldern für die eigene Praxis mitnehmen?

Dabei greifen wir auf unser breites Netzwerk von Expert*innen zurück, die aktiv gegen Hass im Netz und Desinformation arbeiten und ihre erprobten Strategien in die digitale historisch-politische Bildung einbringen.

Was erwartet uns noch?  

Darauf aufbauend planen wir für die zweite Projektphase verschiedene Werkstätten für Akteur*innen aus dem Bereich der digitalen Erinnerungsarbeit. Hier werden die Ergebnisse aus den Stakeholder-Runden und Peer-Formaten weiter geschärft, um sie auf den Bereich der digitalen politischen Bildung anzupassen und in konkrete Handlungsstrategien zu übersetzen. Sie dienen darüber hinaus der Vernetzung der Akteur*innen, um das Teilen bisheriger Handlungsansätze und von Praxisbeispielen zu ermöglichen. 

In einer dritten und abschließenden Projektphase werden die Projektergebnisse digital zur Verfügung gestellt - also: stay tuned! Wir berichten euch hier auf unserer Webseite, in unserem Newsletter oder auf unseren Social Media Kanälen über die weiteren Schritte des Projekts. 

Habt ihr Fragen oder Anregungen zu unserem Kooperationsprojekt? Meldet euch gerne bei uns. Das NETTZ-Ansprechpersonen für das Projekt sind Luisa Schmidt (Bereichsleitung Forschung und Wirkung) und Corinna Dolezalek (Wissenschaftliche Referentin). 

„Wirksam Widersprechen! Digitale historisch-politische Bildung stärken“ ist ein gemeinsames Kooperationsprojekt von Das NETTZ mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. 

Das Logo von Das NETTZ auf der linken Seite und das Logo von der Stiftung EVZ auf der rechten Seite.
Foto Joy Hwang (lachende Person vor einer Wand mit Graffiti)
Autor*in

Joy Hwang

(sie/ihr) Werkstudentin

zum Newsletter
Newsletter-icon

Du willst zum Thema "Hass im Netz"
auf dem Laufenden bleiben?

Dann abonniere unseren
DAS NETTZ-Newsletter.